Country
In Europa eher weniger angesiedelt, stellt die Country-Musik
in den USA eine der beliebtesten Musikrichtung dar. Vor allem in den
US-Amerikanischen-Südstaaten findet Country-Musik viele Anhänger.
Die Wurzeln der Country-Musik sind vor allem auf englische, schottische
und irische Einwanderer zurückzuführen. Mit zahlreichen
Einwanderungsströmen gelten Kentucky und Tennessee als der eigentliche
Ursprung der Country-Musik. Mit den vorherrschenden Elementen von
Jazz und Blues Anfang des 20.
Jahrhunderts wurden die Wurzeln der afroamerikanischen
Einwohner genutzt, um einen völlig neuen Musikstil zu kreieren.
Mit dem Radio als Massenmedium wurde vor allem Musik
gespielt, die durch alle Schichten und alle Klassen hindurch akzeptiert
werden konnte. Mit der urbanen Musik im Vordergrund, spielte der ländliche
Raum überhaupt keine Rolle. Erst gegen 1925 war die erste Country-Musik
im öffentlichen Radio zu hören. Mit einem überwältigenden
Erfolg und einer großen Akzeptanz in der breiten Bevölkerungsschicht
kristallisierten sich bald die ersten Country-Sender in den Radiostationen
heraus. Vor allem in Texas und in Chicago siedelten sich zwei wichtige
Musikstationen an.
Wie für die ländliche Musik üblich umfasste
das instrumentale Spektrum vor allen Dingen den Banjo, Mandoline,
Geige, Gitarre und natürlich den Bass. Klaviere spielten eine
eher untergeordnete Rolle, stattdessen kam das das Akkordeon und die
Mundharmonika vereinzelt zum Einsatz. Um das Klangspektrum der Country-Musik
vollends zu erfassen, kristallisierte sich z. B. die Westerngitarre
heraus. Im Unterschied zur normalen Akustikgitarre verfügt diese
nicht nur über sechs, sondern über zwölf Saiten. Aufgrund
der ländlichen Herkunft wurde Country-Musik in den 1920er Jahren
als Hillbilly bezeichnet.
Mit zunehmender Kommerzialisierung prägten sich
verschiedene Country-Stile heraus. Der Westernswing beispielsweise
übernahm viele Elemente des Jazz und wurde vornehmlich in Kneipen
und Bars gespielt. Durch seine leicht beschwingende Art fesselte er
die Zuhörer und zwang sie praktisch von den Stühlen auf
die Tanzfläche. In den Südstaaten hingegen machte sich der
Country-Stil Honky-Tonk breit, der eher durch eine raue Melodie in
Erscheinung tritt. Wegbereiter für diesen Musikstil war beispielsweise
der Honky-Tonk-Blues. Erst gegen 1945 hat sich die Country-Musik vollends
etabliert. Zu dieser Zeit sind Ernest Tubb und Hank Williams entscheidende
Musikgrößen. Leider war auch die Country-Musik von einer
Kurzlebigkeit geprägt. Bereits Anfang der 1950er Jahre wurde
die Country-Musik durch den nun entstehenden Rock and Roll und den
Rockabilly abgelöst.
Elvis Presley stand an der Tagesordnung, Buddy Holy
und Jerry Lee Lewis sowie Bill Haley sorgen für Stimmung und
schafften ein völlig neues Musikverständnis. Die ländliche
Musik wurde dabei wieder komplett in den ländlichen Raum verdrängt.
Aufgrund dieser erschütternden Entwicklung wurde ein erneuter
Versuch gestartet, die Country-Musik wieder in den Vordergrund zu
drängen. Als stilistisches Mittel wurde die Pop-Musik genutzt.
Geigen und Violinen, die sehr an die ländliche Region erinnerten,
wurden durch klangvolle Chöre und exzellente Studiomusiker ersetzt.
Mehr an Schlager erinnernd, schafften Musiker wie Patsy Klein, John
Denver oder auch Olivia Newton John den erneuten Durchbruch mit dieser
Musikrichtung. Sehr an den Mainstream angelehnt wurde der Nashville-Sound
geboren. Ein weiterer Aufschwung gelang im Jahre 1955 als die heutige
Country-Legende Johnny Cash die Bühne betrat. Mit originalen
Sounds wurden die Nashville-Sounds völlig übergangen. Viele
Country-Musiker reagierten auf die Mainstream-Entwicklung mit purem
Protest. Als Wegbereiter für die originalen Sounds gilt Merle
Haggard. In den 70er Jahren schafft er mit
seinem Lied "Oakie from Muscogee" eine wahre
Protestwelle gegen den so genannten Nashville-Sound und somit gegen
den Main-Stream loszutreten. Ermutigt durch die männliche Riege
der Country-Musiker wagten sich auch erstmals wieder Frauen in dieses
Metier. Vor allem Dolly Parton feierte in den 60er Jahren riesige
Erfolge.
Die Einflüsse der Popmusik lassen sich nicht gänzlich
leugnen. Denn auch Bob Dylan hat enormen Einfluss auf die heutigen
Züge der Country-Musik genommen. Mit seinem Album "Sweetheart
of the Rodeo" setzte er Maßstäbe, die sich Bands,
wie z. B. Dire Striates, The Eagles oder auch Solokünstler wie
Keith Urban zu Herzen genommen haben. Vermehrt in den Südstaaten,
vor allem in Texas vorwiegend prägte sich hier eine harte Country-Szene
aus, die fernab von allen Konventionen und vor allem fernab vom Mainstream
existierte.
Die nächste Welle der Kommerzialisierung fand erst
gegen Anfang der 90er Jahre statt. Country-Größen wie Garth
Brooks, Tim McGraw und Allen Jackson prägten das Country-Verständnis
erneut. Diese Musiker schafften es, die Wurzeln des Countries leben
zu lassen, und dabei doch wieder Elemente der Popmusik einfließen
zu lassen. Anders als in den 50er und 60er Jahren wurde der Pop nur
mit wenigen Elementen integriert. Der ursprünglichste Country-Sound
steht nun nach wie vor im Vordergrund. Vornehmlich fröhlich erfuhr
auch die Country-Musik durch ihr großes Idol Johnny Cash eine
völlig neue Strukturierung. Mit dem alternative Country wurden
zumal Elemente von Heavy Metal, Folklore, Blues und sogar Punk in
die Country-Musik integriert. Vielmehr werden nun nicht mehr die schönen
Seiten des Lebens besungen, sondern der so genannte Amerikanische
Traum wurde von seiner negativen Seite gezeigt. Ängste, Verluste,
der Tod und das Scheitern spielten eine thematische Rolle.
Eine derartige Erfolgswelle konnte deutsche Country-Musik
nie verzeichnen. Mit einer sehr kleinen Anhängerschaft und nur
wenigen Country-Stars kann Deutschland bei weitem nicht mit den US-amerikanischen
Vorbildern mithalten. Leitwölfe sind hier z. B. Truck Stop, Gunther
Gabriel oder auch Tom Astor. Bereits 1930 versuchte sich eine Country-Szene,
gemessen an den US-amerikanischen Musikimporten, zu etablieren. Cowboy-Stiefel
und Cowboy-Hut wurden vermehrt getragen und galten als Sinnbild dieser
Musikszene.
Im Zuge des Nationalsozialismus wurde die Country-Szene
vollständig unterdrückt. Erst nach Beendigung des zweiten
Weltkrieges und nachdem der Rock and Roll in deutschen Landen Einzug
erhalten hatte, begann die neue Country-Ära. In der damaligen
DDR und in der BRD gleichermaßen taten sich ein Club nach dem
anderen auf. Es ging nicht mehr nur um das Musik hören, sondern
auch um das Musik erleben. Squaredance war eine willkommene Abwechslung
und schaffte eine Assoziation zu den amerikanischen Vorbildern. Warum
Country-Musik zur damaligen Zeit so beliebt war, lässt sich unter
Umständen dadurch begründen, dass durch Cowboys und den
damit verbundenen Indianern der Inbegriff von Freiheit verbunden wurde.
Ein weiterer Grund war sicherlich die Besetzung durch die Alliierten.
US-amerikanische Soldaten haben die Country-Musik mit in ihre deutschen
Stationen gebracht. Die Radiosender der stationierten
US-amerikanischen Soldaten wurden von der aufkeimenden Country-Welle
als Informationsquelle genutzt.
Country-Musik erfährt in Deutschland zwei Stilrichtungen.
Zum Einen gibt es die richtig Harten, wie beispielsweise Truck Stop
oder Tom Astor und auf der anderen Seite die lustigen Mädels,
wie Gitte. Lieder wie "Ich will nen Cowboy als Mann" oder
"Da sprach der alte Häuptling" sind heute mehr für
die Stimmung als fürs eigentliche Country-Feeling zuständig.
Durch die Vermischung mit Elementen aus der Schlagermusik konnten
sich derartige Titel in der heutigen Country-Szene in Deutschland
nicht halten. Truck Stop hingegen schaffte im Jahre 1977 den Durchbruch
in der deutschen Country-Szene. Mit dem Lied "Ich möcht
so gern Dave Dudley hören" wurde die Tür für die
Band geöffnet. Die Vielfalt der verschiedenen Themenbereiche
lässt sich am Beispiel von Gunther Gabriel festmachen. Er beschäftigte
sich weniger mit den Symbolen der Freiheit sondern schaffte Gesprächsstoff
durch alltägliche Themen. Sein Lied "Hey Boss, ich brauch
mehr Geld" zog weitere Interessierte in die feste Country-Anhängerschaft.
Kaum eine Musikrichtung schaffte eine Identifikation
durch die Kleidung. Zur Kluft eines Country-Musikers und Country-Liebhabers
gehört in jedem Fall das typische Cowboy-Outfit, d. h. ein Hemd,
verwaschene Jeans und natürlich die Cowboy-Stiefel. Während
diese Elemente nach und nach aus der Country-Szene verschwanden, schafft
nur noch lediglich der Cowboy-Hut eine Identifikation.
Da Country aus der ländlichen Gegend stammt, herrschte hier vor
allem abgetragene Arbeitskleidung vor. In den Anfängen der Country-Musik
in den vereinigten Staaten schämten sich die Musiker für
ihr Outfit. Schaut man sich die ersten öffentlichen Auftritte
an, fällt auf, dass die Musiker fein säuberlich in Anzügen
gekleidet waren. Erst mit der Zeit wuchs das Selbstbewusstsein, die
abgetragene und nun countrytypische Kleidung zu tragen. Vor allem
Musiker aus New-Mexico und Texas standen zu ihrem Erscheinungsbild.
Noch heute gelten Cowboystiefel zur Alltagskleidung.
Durch die Einflüsse aus Hollywood und anderen damaligen
Modemetropolen wurden schnell prunkvolle Fantasieanzüge maßgeschneidert.
Vor allem Tex Williams, Bill Anderson und Hank Snow faszinierten das
Publikum mit ihrer Kleidung fast mehr als mit ihrer Musik. Bunte Anzüge,
die durch ihren Rhinestonebesatz auffielen, waren nunmehr Sinnbild
für die Country-Musik. Nunmehr an keine strikte Kleiderordnung
gehalten, kannte Fantasie keine Grenzen. Hank Snow z. B. faszinierte
das Publikum durch bunte Anzüge, die in aller Regelmäßigkeit
mit Schmetterlingen oder Blumen besetzt waren.
Diesem Kleidungsstil ist auch das Lied "Rhinestone Cowboys"
zu verdanken, welches in erster Linie von Künstlern komponiert
wurde, die dem originalen Kleidungsstil treu geblieben sind. Johnny
Cash beispielsweise schaffte durch sein immer schwarzes Outfit eine
Identifizierung, während z. B. George Hammilton IV immer in Jeans
und Sakko auf die Bühne trat.
Im Jahre 1980 wurden auch die Metropolen erneut vom
Country-Fieber angesteckt. Dies war der Tatsache geschuldet, dass
der Film "Urban Cowboy" in den Kinos aufgeführt wurde.
Schnell füllten sich die Straßen mit Hutträgern, denn
der Cowboy-Hut schaffte eine klare Identifikation mit dieser Musikrichtung.
Dass der Cowboyhut auch heute noch Sinnbild ist lässt sich vor
allem an Garth Brooks festmachen, der in den 90er Jahren in einer
cowboyuntypischen Kluft aber dennoch mit Cowboyhut vor das Publikum
trat.
Die Stilrichtungen, die sich seit 1920 in der Country-Musik
ausgeprägt haben, sind vielfältig. Grundsätzlich lassen
sich Blue-Grath, Honky-Tonk, Nashville-Sounds, Western-Swing, Bakersfield-Sound,
Cajun-Musik, Cowboy, Outloor, Rockabilly, Texmax, Country-Blues, Country-Pop,
Country-Folk, Country-Gospel, Country-Rock und Hawaiian-Music unterschieden.
All rights reserved © by www.besttips.de