Gesundheitliche Wirkung von Musik
Es scheint zweifelhaft, in welchem Maße Musik
auf die Gesundheit wirken kann. Es ist prinzipiell nicht zu leugnen,
dass Musik eine ganzheitliche Wirkung auf die Gesundheit ausübt.
Gesundheit ist ein weitläufiger Begriff. Ob Kopfschmerzen, Stress,
Depressionen, allgemeines Schmerzempfinden oder auch Ängste -
all diese Parameter zählen in den Bereich Gesundheit. In wie
weit Musik und Gesundheit zusammenwirken, hängt in erster Linie
vom entsprechenden Patienten ab. Der eine reagiert gar nicht, während
der andere schon bei den ersten Klängen bestimmter Töne
positive Genesungserscheinungen zeigt. Die moderne Medizin geht dazu
über, Musiktherapien effektiv in den Genesungsweg der einzelnen
Patienten einzubauen. Gerade in der neurologischen Abteilung, in der
sich viele Komapatienten befinden, wird die Musiktherapie gewinnbringend
angewendet.
Vorreiter ist hier der deutsche Arzt Dr. Ralph Spingte,
der in einer umfangreichen Untersuchung nahezu 100.000 Patienten mit
Musik beschallt hat. Die Quintessenz war, dass vor allem Depressionen,
Ängste und auch allgemeine Schmerzleiden therapiert werden können.
Schon in ihrer früheren Geschichte spielten Musik und Gesundheit
zusammen. Ob in Griechenland, Ägypten oder auch China, Musik
und Medizin standen immer in einer direkten Verbindung und wurden
zur Heilung angewendet. Selbst im Mittelalter war es üblich,
dass jeder Arzt im Nebenfach Musik belegt. Weit bis ins 18. Jahrhundert
hinein war Musik ein fester Bestandteil von Lazaretten und Krankenhäusern.
Als jedoch der Wandel zur modernen Medizin fortschritt, wurden die
Theorien um Musik und Gesundheit ad Acta gelegt und sanft belächelt.
Erst Ende des 20. Jahrhunderts nahm das wissenschaftliche
Interesse wieder zu. Es konnte definitiv belegt werden, dass Musik,
egal welcher Art, einen Einfluss auf die Herzfrequenz und somit auf
Atem und Kreislauf hat. Genau aus diesen Aspekten wird Musik im medizinischen
Bereich vor allem zur Behandlung von Depressionen, von Koma-Patienten,
von Migräne, zur allgemeinen Schmerzkontrolle, bei Drogen- und
Alkoholentzug, als Geburtshilfe und sogar bei der psychiatrischen
Behandlung angewendet.
Allzu oft wird die Musikmedizin mit der Musiktherapie
verwechselt. Während sich die Musiktherapie explizit mit physiotherapeutischen
Zusammenhängen beschäftigt, also gerade im Bereich der Lernbehinderung
und Feinmotorik eingesetzt wird, konzentriert sich die Musikmedizin
mehr oder weniger auf die direkten Zusammenhänge zwischen Genesung
und dem Einfluss der Musik.
Dank Dr. Ralph Spingte konnte ein großer Fortschritt
in der therapeutischen Musikbehandlung erlangt werden. Als beruhigender
Faktor bei lokalen Operationen bzw. bei örtlicher Betäubung
ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Anzahl der verwendeten
Beruhigungsmittel drastisch zurückgegangen ist. Zum einen bedeutet
dies eine bessere Verträglichkeit für den Patienten, und
zum anderen eine immense Kostenersparnis für das deutsche Gesundheitssystem.
Dieses Phänomen wurde nicht nur in Deutschland angewandt, sondern
fand vielmehr den Weg in international angesehene Krankenhäuser.
Selbst in Kalifornien schwört man auf diese Form der therapeutischen
Behandlung.
Bereits in der pränatalen Phase schafft die Musik
eine gesundheitliche Wirkung. Zwar noch nicht als Musik wahrgenommen,
prägen die Töne, die im Mutterleib ankommen, maßgeblich
die Sinneseindrücke des Fötus. Doch nicht nur die Geräusche
von außen wirken auf das ungeborene Kind. Vielmehr stellt der
Kreislauf der werdenden Mutter mitsamt dem Herzschlag, des fließenden
Blutes und dem leisen Atmen schon fast ein Musikstück für
das ungeborene dar. Ebenso ist nachgewiesen, dass Kinder, die bereits
im Mutterleib mit Musik konfrontiert werden, wesentlich schneller
zur Welt kommen, besser entwickelt sind und aus diesem Grund das Krankenhaus
in aller Regel eher verlassen können.
Es ist erstaunlich, welche Wirkung von Musik ausgeht.
Nicht nur die therapeutischen Maßnahmen beim Menschen sind hier
anzuführen, vielmehr wirkt sich Musik beispielsweise auf Pflanzenwachstum,
auf die tierische Produktion oder selbst auf die Vermehrung von Mikroorganismen
aus.
Grundvoraussetzung für das ganzheitliche Wirken
der Musik im gesundheitlichen Bereich ist das Zuhören. Zwar schafft
schon das unterbewusste Zuhören erste Erfolge, doch nur mit ausreichender
Konzentration kann die Wirkung verstärkt werden. Welche Musik
letztlich die Richtige ist, lässt sich nicht vereinheitlichen.
Viel zu sehr gehen die Geschmäcker hier auseinander. In erster
Linie stehen Harmonie und Entspannung im Vordergrund, so dass sich
Musik im Zuge einer therapeutischen Behandlung immer an Puls und Herzschlag
orientieren sollte. Gerade wer über einen hohen Ruhepuls verfügt,
der weit über die 60 bis 70 Schläge pro Minute reicht, sollte
auf eine leichte und fließende Musik achten. Das bewusste Zuhören,
schafft einen Entspannungsmoment für den kompletten Körper.
Viele Entspannungstherapien beruhen auf dem Prinzip
einer ruhigen und leichten Harmonie. Einswerden mit der Musik, Stück
für Stück den Körper entspannen und den optimalen Ruhemoment
finden - das ist es, worauf es ankommt. Genau an diesem Punkt wird
Zufriedenheit erzeugt, denn Stress und Schmerz werden plötzlich
ignoriert. Von aufbrausender Musik, beispielsweise große Orchesterwerke,
ist abzusehen. Am besten eignet sich klassische beschwingte Musik
zum Entspannen. Eine Soloarie schafft meist mehr Entspannungsmomente
als beispielsweise ein Duo oder ein Terzett. Moderne Instrumente oder
gar Synthesizer haben hier nichts verloren. Klavier, Gitarre, Violine,
Klarinette, Cello oder die Oboe sind geeignete Instrumente.
Oft kommt auch die Orgel zum Einsatz, allerdings nur
dann, wenn das Stück über leichte und einfache Strukturen,
wenig Dynamik, einer eingänglichen Harmonie und wenig Kontrasten
verfügt. Sicher ist die Anwendung der Musik nicht vorgeschrieben.
Wer klassische Musik so gar nicht leiden mag, kann natürlich
auch auf seinen präferierten Musikstil zurückgreifen. Es
soll selbst Leute geben, die bei Heavy Metal oder Punk-Musik entspannen
können.
In den 70er Jahren hat sich eine Klangtherapie hervorgetan.
Die Signature-Sounds sind mehr oder weniger im Zuge einer medizinischen
Studie entstanden. Dabei wurde festgestellt, dass Töne, die weit
über den eigenen Wahrnehmungsbereich hinausgehen, eine therapeutische
Wirkung haben. Vor allem Herz-Rhythmusstörungen, Bluthochdruck,
chronische Schmerzleiden, Depressionen, Sehstörungen und Allergien
konnten auf diese Weise behandelt bzw. gemindert werden.
Glückliche Menschen schaffen keinen Platz für
Depressionen. Durch Lachen und einfach glücklich sein, werde
zahlreiche Endorphine ausgeschüttet, die das Immunsystem stärken.
Das komplette Herz-Kreislaufsystem und somit auch Herzschlag und Puls
sind in einem angemessenen Rahmen. Depressionen entstehen beispielsweise,
wenn durch bestimmte Lebenssituationen wie beispielsweise den Verlust
eines Familienmitgliedes, den Verlust des Arbeitsplatzes oder andere
bewegende Ereignisse die Fähigkeit zum Glücklichsein verloren
gegangen ist. Die Endorphinausschüttung wird drastisch gesenkt,
und schlägt sich dementsprechend auf das Gemüt. Genau an
diesem Punkt kann die Musik Medizin ansetzen. Mit leicht beschwingter
Musik kann die natürliche Endorphinausschüttung angeregt
werden. Gerade hier muss auf rhythmische und taktvolle Musik zurückgegriffen
werden.
Eine weitere Form, Musik und Gesundheit zusammenzuführen,
ist die vibrationale Medizin. Als Wegbereiter gilt hier der Norweger
Olav Skille. Er stellte fest, dass nicht nur Musik hören, sondern
eben auch das Fühlen der Schwingungen einen positiven Einfluss
auf den Genesungsprozess hat. In den verschiedenen Tests konnte festgestellt
werden, dass vor allem tiefe Frequenzen, die beim Musik hören
strikt vermieden werden, zum Ergebnis führten. Frequenzen zwischen
30 und 130 Hertz gelten hier als optimal. Vibrationale Medizin kann
vor allem bei Kopf- und Rückenschmerzen, Kreislaufschwäche
und spastischen Störungen angewendet werden. Ob die Symptome
gänzlich verschwinden, lässt sich im Vorfeld nicht sagen,
jedoch kann mit einer enormen Minderung der Beschwerden gerechnet
werden.
Eine wichtige Rolle spielt die Musik vor allen Dingen
in der Meditation, der tiefen Entspannung. Ob nun durch Joga oder
durch Selbstentspannung, ohne Musik lässt sich der körperliche
Mittelpunkt nur schwer finden. Für viele ist das pure Musik hören
schon eine Meditation, für andere das Musizieren. Musik schafft
dank ihrer Klangvielfalt verschiedene Stimmungen zu erzeugen. Im Grunde
läuft sie aber immer darauf hinaus, mit dem Inneren in Einklang
zu kommen.
Wer sich viel und gern mit der Musik beschäftigt
und diese auch konzentriert wahrnimmt, wird feststellen, dass bei
einem guten Musikstück die Entspannung nicht mehr fern ist. Zunächst
noch mit dem Fokus auf die inhaltliche und thematische Gestaltung
des Liedes, kommt es schnell zu einer Entspannung und die innerliche
Ruhe wird erreicht. Es ist nicht selten, dass ein gutes Musikstück
aus dem Radio oder CD-Player ertönt und plötzlich Ruhe einkehrt.
Musik hören als Meditation setzt genau dieses voraus. Nur wer
eine Konzentration auf die Musik schafft, wird im Endeffekt von innerlicher
Ruhe und dem Entspannungsmoment profitieren können. Welche Musik
hier zum Einsatz kommt, obliegt jedem selbst. Aufgrund der zahlreichen
Musikstile, ist keine Vereinheitlichung möglich.
Musik als Meditation macht sich die Eigenschaft zu Nutze,
dass jeder einzelne Ton eine Wirkung auf unseren Köper und somit
die Lebensenergie hat. Der Schwerpunkt liegt bei jedem Patienten allerdings
in einem anderen Bereich. Als erfolgreich haben sich vor allem natürliche
Klänge herausgebildet. Sanftes Vogelzwitschern, das freundliche
Rufen verschiedener Tiere und vor allem die Töne des Körpers
wirken sich positiv auf die Lebenskräfte aus. Die eigenen Herztöne
schaffen eine Entspannung, ähnlich wie sie auf das Ungeborene
im Mutterleib wirken. In erster Linie geht es jedoch darum mit Musik
um Meditation Stress abzubauen. Den Musikrichtungen sind dabei keine
Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was gefällt.
Für viele Musiker geht das Musizieren mit einem
hohen Entspannungsmoment einher. Die pure Konzentration auf sich und
das Instrument schafft kurzzeitig einen Abbau des Stresses. Musik
muss vom Herzen kommen. Jeder erfolgreiche Komponist und Musiker weiß
über diese Tatsache. Getrübt von schlechter Laune lassen
sich weitaus weniger Lieder komponieren als in einem glücklichen
Zustand. Zwar rühren meistens die herzzerreißendsten Balladen
aus Trübsal, wahre Hits erstrahlen jedoch vor lauter Freue, vor
lauter Lebensfreude.
Abschließend lässt sich sagen, dass Musik
und Gesundheit noch immer in den Kinderschuhen stecken. Von vielen
belächelt werden musikmedizinische Maßnahmen strikt abgelehnt.
Hinzu kommt, dass das Deutsche Gesundheitssystem derartige Behandlungen
nicht leisten kann oder will. Es ist nur noch eine Frage der Zeit,
bis sich auch Musik und Medizin in einer harmonischen Symbiose zusammenfinden.
Es geht dabei nicht vorrangig um den medizinischen Aspekt, sondern
gerade aus Sicht des Deutschen Gesundheitssystems sollten die immensen
Kosteneinsparungen, die sich durch eine effektive und erfolgreiche
Therapie einstellen, überwiegen.
All rights reserved © by www.besttips.de