Jazz
Die Musikrichtung Jazz ist maßgeblich für
die Entwicklung der heutigen Musikstile verantwortlich. Im direkten
Übergang von der klassischen Musik zur heutigen Moderne, spielt
Jazz eine große Rolle.
Jazz ist in erster Linie geprägt von der Improvisation.
Zwar gibt es Akkorde und auch Melodien für die jeweiligen Stücke,
aber je nach Stimmung spielt ein Jazzmusiker auch ohne Vorgaben.
Jazz zeichnet sich zudem durch seinen unverwechselbaren Klang aus.
Letztlich ist dies auf die verwendeten Instrumente zurückzuführen,
auf die wir im Laufe des Kapitels noch eingehen werden sowie auf die
Nutzung verschiedener Tempovorgaben und Klangfarben.
Jazz ist Rhythmus. Mit seinem unvergleichlichen Swing
treibt diese Musikrichtung nahezu jeden dazu, wenigstens die Füße
zu bewegen. Nicht unschuldig ist dabei die Synkopierung der einzelnen
Noten. Während die moderne Musik und auch die Klassik von regelmäßigen
Rhythmen heimgesucht werden, wird beim Jazz darauf kein Wert gelegt.
Jazz kennt keine Regeln, hält sich nicht an gängige Musiktheorien
und -gesetze und ist vielleicht aus diesem Grund eine so beliebte
Musikrichtung.
Die Hauptinstrumente des Jazz sind Schlagzeug, Bass
und Klavier. Sie bilden den Grundrhythmus und geben die Vorgaben für
die anderen Instrumente. Nicht zu verachten sind dabei Trompete und
Saxophon, die für den unvergleichbaren Klang des Jazz verantwortlich
sind. Gerade diese Instrumente verzaubern durch improvisierte
Stücke und schaffen somit Abwechslung.
Zu den beliebtesten Jazzmusikern gehören sicherlich
Louis Armstrong, Benny Goodman, Duke Ellington, Miles David und Nat
Coleman. Von 1920 bis weit in die 1960er Jahre hinein fanden diese
Jazzgrößen Anklang beim Publikum
Die Begriffe Swing und Synkopierung liegen unmittelbar
nebeneinander. Durch das unregelmäßige Spielen des Rhythmus
entsteht eine Melodie, die keinen Fuß still stehen lässt.
Auf vielen Jazz-Festivals sieht man die Besucher leidenschaftlich
mit den Fingern schnippen.
Die Eigenschaft zur Improvisation hat die Jazzlegenden
zu dem gemacht, was sie heute sind. Es geht nicht nur darum, Musik
zu spielen, sondern selbstständig einen kreativen Part einzubringen.
Durch die verschiedenen Interpretationsstile ist der Jazz zu vielseitig
geworden und lässt heute eine Zuordnung auf die jeweiligen Künstler
zu. Charly Parker oder Louis Armstrong können aufgrund ihrer
improvisierten Stücke deutlich voneinander unterschieden werden.
Ein Mainstream, wie er in der heutigen Musik vorherrscht, ist im Jazz
nicht anzutreffen.
Die Wurzeln des Jazz, wurden nie klar definiert. Ein
Blick auf die Geschichte zeigt, dass sowohl weiße, als auch
afroamerikanische Musiker diesen Stil beherrschen.
In erster Linie ist die Stilrichtung jedoch auf Afrikaner zurückzuführen.
Mit Beginn der Sklaverei wurden zahlreiche Afrikaner in Arbeitslager
und Baumwollplantagen verschleppt. Durch die verschiedenartigen Einflüsse
afrikanischer Musik, konnten diese an einem zentralen Punkt geballt
werden. In Verbindung, mit den in Amerika vorherrschenden Blasinstrumenten,
konnte ein völlig neuer Stil durch das Vermixen der Stilelemente
erzeugt werde.
Die Wurzeln des Jazz gehen weit bis in das Jahr 1619
zurück, denn hier konnten die ersten Anflüge der neuen Musikrichtung
festgestellt und interpretiert werden. In den Vereinigten Staaten
ist vor allen Dingen der Unterschied zwischen Nord- und Südstaaten
beachtlich. Die musikalische Ausrichtung, in den einzelnen Bundesstaaten,
ist maßgebend für die verschiedenen Musikkulturen.
Afrikanische Traditionen und Sitten wurden gleichermaßen im
Jazz integriert. Gerade in Frankreich, wurden Sklaven aus Benin bevorzug.
In dieser Region wurde exzessiver Voodoo betrieben, so dass es nicht
wundert, dass Voodoo und schwarze Magie ein fester Bestandteil des
Jazz aus der französischen Region ist.
Es ist erstaunlich, wie eng Jazz und klassische Musik
zusammenspielen, bereits im 18. Jahrhundert nutzten Afroamerikaner,
die vor allem in den Großstädten wie New York, Charleston,
Philadelphia oder Baltimore lebten ihre klassische Ausbildung, um
diese in kirchlichen Gesängen anzuwenden. Noch längst kein
Gospel, lehnten sich jedoch europäische
Komponisten an die Elemente der afroamerikanischen Musik
an. Wenn auch schleichend, war der Übergang zur klassischen Musik
zum Jazz eingeläutet.
Auch wenn Jazz meistens auf der reinen Improvisation beruht, gibt
es doch grundlegende Strukturen, die eingehalten werden müssen.
In aller Regel verfügen Jazzstücke über eine 12- oder
32-taktige Struktur. Zur Auflockerung kommen selten 7/4- oder 5/4-Takte
zum Einsatz. Dem heute bekannten Freejazz stehen hingegen keinerlei
feste Strukturen gegenüber.
Die Improvisation, ist das wohl wichtigste Stilmittel
des Jazz. Trotz festgelegter Strukturen, neigen Musiker oder die ganze
Band dazu aus diesen auszubrechen, und sich neue Musik auszudenken.
In der Regel immer an die Grundstruktur angelegt, dient die Improvisation
zur Vorstellung einzelner Musiker und/oder zum Interagieren der gesamten
Band. Meist spontan, hängt die Improvisation in aller Regel auch
von der Reaktion des Publikums ab. Lässt sich das Publikum vom
Takt und Rhythmus mitreißen, ist die Chance, dass die Musiker
ihrem Können freien Lauf lassen viel größer. Sitzt
das Publikum allerdings nur auf ihren Stühlen, wird man kaum
in den Genuss eines improvisierten Stücks kommen.
Wie bereits im Kapitel Musiktheorie behandelt, setzt
sich eine Melodie aus zahlreichen Einzeltönen zusammen. Jeder
von uns ist in der Lage, eine Melodie zu erfinden, die sogar ganz
hörbar ist. Der Unterschied zu Jazzmusikern liegt allerdings
darin, dass wir das Wissen über Harmonien, Tonleitern und Akkorde
nicht verinnerlicht haben. Diese Elemente sind maßgebend für
die Improvisation und die Melodie. Akkorde werden in aller Regel nur
von Pianisten und Gitarristen gespielt, da andere Instrumente nicht
in der Lage sind drei oder mehrere Töne miteinander zu kombinieren.
Harmonie spielt vor allem in Verbindung mit der Bigband eine große
Rolle. Solisten nehmen sich die Stilelemente des Akkordes und der
Tonleiter, sowie der einzelnen Töne zu Herzen, während die
Bigband alle Stilelemente ineinander vereinen muss. So kann es beispielsweise
vorkommen, dass der Pianist Akkorde und Melodien gleichzeitig spielen
muss, während andere Instrumente nur einzelne Töne ansteuern.
Ein wichtiger Bestandteil der Jazzmusik ist das Call-
und Response-Prinzip. Gerade in großen Gruppen. kann dieses
zur Belebung der Musik eingesetzt werden. Dieses Prinzip beruht auf
alten afrikanischen Stammesgesängen. Aber auch im afroamerikanischen
Gospel, d. h. in den Gesängen innerhalb des Gottesdienstes, wird
das Call- und Response-Prinzip angewendet. Ein Musiker singt eine
Zeile vor, während ein anderer oder auch die ganze Gruppe darauf
antwortet. Leider ist das Call- und Response-Prinzip nicht auf den
gängigen Jazz-CDs vorzufinden. Vielmehr kann es bei einem Live-Event
erlebt werden. Auch heute treffen sich bei den zahlreichen internationalen
Jazzfestivals Musikfreunde, um an diesem Spektakel teilzuhaben.
Die Instrumente des Jazz setzten sich in erster Linie
aus Blech- und Holzblasinstrumenten, Saiteninstrumenten, Percussions
und Keyboards zusammen. Für den Rhythmus sorgen vor allem Schlagzeug,
Klavier, Gitarre und Bass. Herausfallen tun besonders die Blech- und
Holzblasinstrumente, da sie in erster Linie für
die atemberaubenden und unverwechselbaren Solostücke innerhalb
der Jazzmusik verantwortlich sind.
Das Saxophon hat in keinem anderen Musikstil so großen Einfluss
wie im Jazz. In erster Linie ist damit die emotionale Ausdrucksweise
verbunden, denn kein anderes Instrument schafft es, die menschliche
Stimme zu imitieren. Das Klangspektrum des Saxophons reicht von leise
und gefühlvoll bis hin zu laut und fordernd. Emotionale Empfindungen
können somit am besten zum Ausdruck gebracht werden. Zwar wurde
das Saxophon weit vor der eigentlichen Entwicklung des Jazz erfunden,
bekam aber erst dann eine tragende Rolle. Erst Ende der 1920er Jahre
trat das Saxophon regelmäßig in Jazzstücken auf. Auch
wenn Schlagzeug, Bass oder Klavier maßgeblich für den Rhythmus
eines Stückes verantwortlich sind, hebt sich dieses ab. Als Ende
1930 die Bigbands entstanden, hatte das Saxophon eine klassische Rolle.
Durch die verschiedenen Ausführungen lassen sich die verschiedenartigsten
Töne erzeugen. Das Sopransaxophon ist in erster Linie für
hohe und schmeichelnde Töne zuständig. Das Altsaxophon hingegen,
ähnelt dem Sopransaxophon zwar in Klanghöhe und Klangfarbe,
allerdings kann es bei weitem nicht ein so großes Volumen erzeugen.
Das Tenorsaxophon findet die meiste Anwendung, da es warme Töne
erzeugen kann. Das Baritonsaxophon, ist gemäß seiner Stimmlage
eher für den tiefen Klangbereich bestimmt.
Das Kornett und die Trompete sind ebenfalls fester Bestandteil
einer Jazz-Combo. Im Grunde mit dem gleichen Aufbau unterscheiden
sie sich doch durch ihre Klangweite. Während das Kornett einen
sehr weichen und sanften Klang erzeugt, ist die Trompete in aller
Regel sehr eindringlich. Das Kornett wurde beispielsweise bevorzugt
von Louis Armstrong gespielt und findet vor allem in der Jazz-Hochburg
New Orleans großen Anklang.
Im modernen Jazz kommt vor allem die Trompete zum Einsatz, da sich
durch diese eine kraftvolle Stimmung erzeugen ließ. Gerade temperamentvolle
Jazzlieder, sind von Trompetenklängen geprägt. Posaunen
und Flöten spielen eher eine untergeordnete Rolle und heben sich
aus der Masse nicht besonders heraus.
Von Bürgerkrieg und den Wirren der Jahrhundertwende
geprägt, gilt New Orleans als die Geburtsstätte des Jazz.
New Orleans war schon immer eine multikulturelle Metropole. Franzosen,
Spanier, Afrikaner aber auch Inder ließen sich in der Stadt
nieder. Bedingt durch den Sklavenhandel, der im 19. Jahrhundert betrieben
wurde, kam die afrikanische Musik zum Tragen. Wenn man bedenkt, dass
im Jahre 1880 von den ca. 210.000 Einwohnern immerhin 55.000 farbig
waren, ist es kein Wunder, dass sich dieser Musikstil in New Orleans
ausgeprägt hat. Während der französischen Herrschaft
machten sich vor allem die Marchingbands (Blechblaskapellen) einen
Namen. Durch diese Beliebtheit kamen die afroamerikanischen Musiker
aber auch die Sklaven in direkten Kontakt mit Blechinstrumenten, so
dass ein weiterer Weg für den Jazz geebnet wurde. Bereits die
Blechblaskapellen, verfügten über einige Elemente des Jazz.
Improvisation, mehrstimmige Rhythmen und die typische Synkopierung
wurden hier schon angewandt, obgleich nicht dem Jazz zugeordnet.
New Orleans galt zur damaligen Zeit schon als sehr tolerant
und weltoffen. Begründet durch die zahlreichen multikulturellen
Bevölkerungsgruppen wurde kein Widerstand durch die einheimische
Bevölkerung ausgeübt. Afroamerikanische Musiker konnten
sich ungehindert mit weißen Musikern oder anderen Kulturen verbinden.
Die ersten Jazz-Combos leiteten sich direkt aus den
Blechblaskappelen ab. Sie wurden in New Orleans zu jeder Gelegenheit
gespielt. Sei es eine Unabhängigkeitsparade, ein Stadtfest oder
sogar Beerdigungen - die große Jazzwelle war im Kommen.
Als Wegbereiter dient Buddy Bolden. 1877 geboren, wuchs
er praktisch mit den Marchingbands (Blechblaskapellen) auf. Unter
diesen Einflüssen begann er bereits mit 17 Jahren auf dem Kornett
zu spielen und war bereits mit 23 ein großer Star der Szene.
Ihm schreibt man heute zu, die erste Jazzband gegründet zu haben.
Im Jahr 1895 setzte er sich mit verschiedenen Musikern zusammen und
besetzte verschiedene Instrumente wie Bass, Posaune, Klarinette. Gitarre,
Schlagzeug und natürlich das Kornett. Bolden überraschte
durch eine recht freche und jazzige Musik, die sehr an die Blechblaskapellen
angelehnt war.
Der Vorreiter des Jazz ist der Ragtime. Ragtime wurde zu Beginn des
20. Jahrhunderts in New Orleans bevorzugt gespielt und gelang auf
diese Weise in den Einzugsbereich der Jazzmusiker. Diese Musik diente
als Grundlage für die Improvisierung und die Synkopierung, die
für den Jazz typisch ist. Ragtime zeichnete sich durch Elemente
aus der klassischen Musik, aus dem Latin, Blues und vor allem dem
Folk aus. Mit relativ wenig improvisierten Stilmitteln und auch wenig
Synkopen unterschied sich Ragtime maßgeblich vom heutigen Jazz.
Im Mittelpunkt dieses Musikstiles stand in erster Linie eine herausragende
Melodie, sowie eine Harmonie. Ragtime war eine typisch europäisch
geprägte Musikrichtung und hatte mit dem Jazz gar nichts gemein.
Die ersten kommerziellen Schritte der Jazzmusik wurden erstaunlicherweise
durch weiße Musiker vorgenommen. Obgleich Buddy Bolden, Louis
Armstrong, King Oliver, Jelly Roll Morten als tatsächliche Wegbereiter
des Jazz galten, wurden die ersten kommerziellen Jazzaufnahmen durch
die Original Dixieland Jazzband vorgenommen.
Nach dem stilistischen Bruch zwischen Ragtime und Jazz
entwickelte sich der Jazz immens weiter. Aufgrund der wirtschaftlichen
Situationen erfuhr der Jazz eine weitere Entwicklungsstufe. Bedingt
durch eine schlechte Arbeitsmarktsituation, zog es etliche Musiker
weg von den Südstaaten in den hohen Norden. Auf der Suche nach
einem neuen Arbeitsplatz und einer neuen finanziellen Grundlage verlagerte
sich das Musikgeschehen schlagartig. Auch hier sind wieder die Namen
Louis Armstrong, Jelly Roll Morten und King Oliver zu nennen, die
maßgeblich für die Abwanderung in den Norden verantwortlich
sind. Der bisher bekannte New-Orleans-Jazz wandelte sich Ende der
1920er-Jahre zum Jazz, wie er in Chicago gespielt wird. Mit starken
Einflüssen der klassischen Musik stieg das Niveau enorm an. Charakteristisch
ist vor allem das weit aus schnellere Tempo, welches ein enormes musikalisches
Können und eine hohe Improvisationsgabe voraussetzten. Zudem
wurde mehr Wert auf die Improvisation gelegt, die beispielsweise durch
eindeutige Akkordfolgen unterstützt wurde. Während im New-Orleans-Jazz
der 12er Takt bevorzugt wurde, zeichnete
sich der Chicago-Jazz vor allem durch seine 32-Taktigkeit
aus. Der Chicago-Jazz brachte eine Vielzahl von Künstlern hervor,
von denen eigentlich nur wenige eine fundierte musikalische Ausbildung
besaßen.
Die Künstler des Chicago-Jazz
Louis Armstrong
Louis Armstrong ist und bleibt das Sinnbild für
Jazz. Als Vorreiter der Jazztrompete und der instrumentalen und vokalen
Improvisation ist er noch heute in vielen Köpfen verankert. Armstrong
schaffte es nicht nur mit seinen musikalischen Fähigkeiten zu
überzeugen, sondern zog das Publikum durch seine lustige und
teils doch komödiantische Art an. Erst durch ihn wurde der Jazz
in die Welt getragen. Hinzu kommt, dass durch Louis Armstrong zum
ersten Mal die Rolle des Jazz-Solisten zum Tragen kam. Bisher untypisch,
übernahm er unwahrscheinlich viele Solorollen, die zwar durch
die Band unterstützt wurden, diese aber auch gleichzeitig in
den Hintergrund rückten.
Sydney Bechet
Bechet faszinierte in der Jazz-Szene durch sein bezauberndes
Klarinettenspiel. Er ist einer der wenigen Musiker, die die verschiedenen
Jazzstile selbst miterlebt haben. Vom New Orleans Jazz, über
Swing und Bebop bis hin zur heutigen traditionellen Jazzform war er
überall vertreten. Bechet war der erste Jazzmusiker, der eine
Platte aufnahm. Sogar Louis Armstrong hatte in diesem Zusammenhang
ein Nachsehen. An seinen Stücken lässt sich Jazz am besten
charakterisieren. Seine Musik war geprägt von lockerer und vorantreibender
Musik und vor allem durch ein hohes Maß an Improvisation
Eine große Rolle konnte auch Jelly Roll Morten
zugeschrieben werden, der für sich selbst als Begründer
des Jazz stand. Seine Lieder waren vor allem durch sexistische Inhalte
gekennzeichnet, welche ihm auch den Namen "Jelly Roll" einbrachten.
Jelly Roll machte vor allem von sich am Klavier reden. Seinen Durchbruch
schaffte er im Jahre 1923 als er mit den Red Hot Peppers Aufnahmen
machte.
Ähnlich wie Louis Armstrong ist Joe King Oliver
ebenfalls einer der größten Jazztrompeter überhaupt.
Was Louis Armstrong an Improvisationstalent zuviel hatte, machte King
Oliver durch sein einzigartiges Trompetenspiel wieder wett.
Im Verlaufe der Geschichte tauchen in aller Regel nur
afroamerikanische Männer auf. Wer glaubt, dass Frauen aus dem
Jazzgeschehen gänzlich ausgeschlossen wurden, der irrt. Die wohl
bekannteste weibliche Ikone ist Ida Cox. Nicht nur als Jazzsängerin
machte sie sich auch in der Musikrichtung Blues einen Namen. Anfang
der 1920er Jahre stand sie vor allem mit Jelly Roll Morten und King
Oliver auf der Bühne und wendete sich später ihrer Blues
Karriere zu.
Eine weitere wichtige Frau im Jazzbusiness ist Lil Hardin.
Im Vergleich zu vielen anderen Jazzmusikern verfügte Hardin über
das Talent, ihr Können am Klavier behaupten zu können. Nur
wenige Jahre nach ihrem Debüt als Jazzsängerin wurde sie
zur Ehefrau von Louis Armstrong und gab ihm zuliebe ihre Karriere
auf, um seine zu fördern. Erst nach der Scheidung im Jahre 1938
wurde Lil Hardin wieder aktiv. Sie trat mit einigen Jazzbands auf,
schaffte allerdings den Durchbruch in verschiedenen Broadwaymusicals.
Obgleich Jazz in erster Linie eine mehr oder weniger
afroamerikanisch geprägte Stilrichtung ist, dauerte es bis weit
in das 20. Jahrhundert hinein, bis auch weiße Musiker auf den
Geschmack kamen. Als Geburtsstätte des weißen Jazz dient
Chicago. Die damalige Abwanderung vom Süden in den Norden, schaffte
die Grundlage, dass die afroamerikanischen Musiker ihr Wissen und
Ihr Können in gewisser Weise an die weißen Musiker weitergaben.
Es dauerte nicht lange bis die ersten Konflikte auftraten. Zwar zuerst
gemeinsam in einem Team trat nach und nach die Eifersucht zu tage.
Der eine beschuldigte den anderen dessen Ideen geklaut und umgesetzt
zu haben.
Jazzmusik wurde in der weißen Bevölkerungsschicht mehr
oder minder dem afroamerikanischen Stil angepasst. Der Weg weg von
der reinen Tanzmusik war vor allem als Protestbewegung der Jugendlichen
gegenüber den Erwachsenen zu sehen. Zum ersten Mal hatten die
Jugendlichen die Möglichkeit ihre Gefühle explizit zum Ausdruck
zu bringen und schafften durch den Jazz eine klare Abgrenzung zur
Erwachsenenwelt. Der grundlegende Unterschied zwischen weißem
und schwarzem Jazz war die Bildung. Es versteht sich von selbst, dass
weiße Musiker eine weitaus höhere Bildung besaßen,
regelmäßig zur Kirche gingen und im Ergebnis daraus ihre
Herkunft und ihre durchaus gehobeneren Klassen in ihrer Musik wiederspielten.
Allerdings fehlten wichtige Elemente, wie beispielsweise die Spontaneität
und die Dynamik.
Bix Beiderbecke gilt als Vorreiter des weißen
Jazz und gleichzeitig als Gegenstück zu Louis Armstrong. Während
Armstrong sich an der Trompete versuchte, war das Kornett das Sinnbild
für Beiderbecke. Noch heute gilt Beiderbecke als einer der besten
und vor allem wichtigsten Jazzspieler.
Die Austin High Gang war ebenfalls maßgeblich an der Entwicklung
des weißen Jazz zuständig. Nur wahre Jazzliebhaber werden
mit der Austin High Gang etwas anfangen können. Eher als Zusammenschluss
einiger Studenten, die Spaß an der Musik und am Musizieren hatten,
nahm diese Gruppe nie offiziell eine Schallplatte auf. Alle Bandmitglieder
verfügten über das Wissen der klassischen Musik und konnten
ausgereifte und fundierte Kenntnisse über Musiktheorie vorweisen.
Aus diesem Grund schafften sie es nie, an die großen Vorbilder
heranzukommen. Die Tatsache, dass die einzelnen Mitglieder über
ein dermaßen umfangreiches Musikwissen verfügten, nahm
ihnen die Eigenschaft der Spontaneität und teilweise auch der
Improvisation. Leider konnte sich die Austin High Gang nie gegen die
bestehende Jazzszene durchsetzen, was wiederum auf die überwiegende
Methodik und die fehlende Spontaneität zurückzuführen
war. Mitglieder der Austin High
Gang waren Benny Goodman, Bud Freeman, Eddy Condon,
Jean Krupa, P. W. Russell, Jack Teagarden, Frank Teschemacher und
Dave Tough.
Zu Beginn der 1930er Jahre machte sich der Big Band
Swing breit. Aufgrund der Kommerzialisierung schaffte der Jazz in
den 1930er Jahren den Weg von Chicago nach New York. In erster Linie
ist dies auf die Ansiedlung zahlreicher Musikverlage und Aufnahmestudios
zurückzuführen. Zu dieser Zeit befand sich der Jazz im Umbruch.
Kleine Jazzcombos wurden plötzlich von großen Big Bands
abgelöst. Durch ihre extrem schnelle Musik fanden sie in ganz
Amerika Anklang. Als Vorlage für die Big Bands dienten in erster
Linie bestehende Broadway Musicals. Nach und nach wurde New York zum
kulturellen Zentrum des Jazz. Wer den Weg hierher nicht fand, hatte
in der Branche meist keine Chance. Harlem galt als das neue Zentrum
der afroamerikanischen Kunst und Kultur. Etwa zur gleichen Zeit kristallisierte
sich neben dem Jazz auch eine neue Popkultur in New York heraus, was
letztlich den zahlreichen Broadway Musicals zuzuschreiben ist. Im
nächsten Schritt erfolgte von 1940 bis Mitte der 1950er Jahre
die Entwicklung zum Bebop und anschließend zum Cool Jazz.
Der Rückgang der Jazz-Ära ist vor allem auf
den zweiten Weltkrieg zurückzuführen. Zahlreiche Musiker
mussten in den Krieg ziehen, ließen ihre Instrumente in den
Vereinigten Staat und die Plattenindustrie musste immense Einbußen
einstecken. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Musik entwickelten
sich auch nach und nach Musikgewerkschaften und daraus resultierend
Streit um Tantiemen. Für Musikliebhaber hieß das, dass
ca. Ende der 1930er Jahre ein Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen
und Big Bands erhoben wurde. Hinzukommt, dass durch die Wirren des
zweiten Weltkrieges die Kraftstoffvorkommen extrem geschrumpft sind,
und gerade die ländliche Region nicht die Möglichkeit hatte,
in die Stadt zu fahren. Auch die Ära der Big Bands schien in
diesem Moment beendet. Der Trend ging zurück zu kleinen Jazz-Combos,
die sich in kleinen Bars und Clubs trafen, um ihre Meinung kund zu
tun. Vor allem in New York trafen sich die Jazz-Musiker in den zahlreichen
Clubs und schafften durch die Improvisation mit Saxophon, Trompete,
Bass und Schlagzeug die neue Stilrichtung Bebop.
Der Bebop hat seine klaren Wurzeln im Jazz und in den
Big Band. Bedingt durch den zweiten Weltkrieg, den teilweisen Einbruch
der Musikindustrie, vor allem im Bereich Jazz und Big Band orientierten
sich viele Musiker völlig neu und waren auf der Suche nach neuen
Herausforderungen.
Zusammenfassend sind vor allem die Einberufung tausender
amerikanischer Soldaten in den zweiten Weltkrieg, die knappen Ressourcen
an Benzin, die Einführung einer Sperrstunde, die Einführung
einer Vergnügungssteuer und sogar eine Aufnahmesperre für
Schallplatten, die von 1942 - 1944 andauerte für den Rückgang
der Musikära zuständig.
Bebop richtete sich zwar nach dem Jazz fand allerdings eine Methodik,
um völlig gegensätzlich zu wirken. Back to the Roots könnte
eigentlich die Definition für Bebop lauten. Wichtige Bestandteile
der Musik waren weiterhin die Improvisation sowie das hohe Tempo.
Während die Improvisation von den Jazz-Musikern
übernommen wurde, wurde das auf einem hohen Niveau gehaltene
Tempo den Big Bands zuzuschreiben. Bebop Bands gingen wieder zurück
zur ursprünglichen kleinen Besetzung. Außer Schlagzeug,
Klavier, Bass, Trompete und Saxophon war kein weiterer Musiker vertreten.
Im Vergleich zu bisher bekanntem Jazz drückte sich Bebop durch
sehr ungestüme und wilde Musik aus.
Des Weiteren ist die Entwicklung des Bebop mit der Entstehung
des Rassismus in den Vereinigten Staaten zu begründen. Durch
das Verstoßen afroamerikanischer Einwohner, das Zurückdrängen
in ihre Ghettos oder auch die Einrichtung von getrennten Restaurants,
Toiletten oder Schulen machte den Bebop zu einem Kommunikationsmittel
für die schwarze Bevölkerung. Es ist kaum zu glauben, aber
die größten Bebop-Musiker stammen aus der Zeit der Big-Band.
Auf der Suche nach neuen Herausforderungen und völlige neuen
Musikstilen hat der Weg zum Bebop nicht lange gedauert. Als Vorreiter
gelten beispielsweise Charly Parker oder auch Cab Calloway. Die Weiterentwicklung
des Bebops endete schließlich im Scat-Gesang. Hierbei ging es
darum, einzelne Melodien durch das völlig bedeutungslose Aneinanderreihen
von Silben zu improvisieren. Stimmlich überzeugte vor allem Ella
Fitzgerald. Als weibliche Ikone des Jazz-Gesangs fand auch sie ihren
Höhepunkt im Bebop.
Wie bereits Charly Parker banden sich viele ehemalige
Big-Band-Leader von ihrer Musikrichtung ab und widmeten sich dem Bebop.
Vorreiter sind hier vor allem Woody Herman, Stan Canton oder Claude
Thornhill. Die Weiterentwicklung des Bebops waren zum Einen der Hardbop
und zum Anderen Cool-Jazz. Während der Hardbop sehr an dem Bebop
angelehnt war, und sich lediglich durch die bluesbetonte Musik unterschied,
wurde der Cool-Jazz weitaus sortierter und mehr von klassischer Musik
beeinflusst.
Ab 1960 änderte sich das Verständnis für
Jazz grundlegend. Zwar blieben die alten Jazz-Musiker und bis dahin
bestehenden Jazz-Combos weiterhin bestehen und erfreuten sich auch
einer großen Beliebtheit, allerdings wurde der Jazz weitaus
härter und direkter, um die aufgetretenen sozialen und politischen
Veränderungen aufzuzeigen. Der nun entstandene Avantgarde-Jazz
schafft Platz für neue Ideen, wurde weitaus experimenteller und
ließ noch mehr Platz für zahlreiche Interpretationen. Maßgeblich
haben an der Entwicklung George Russel und Thirdstram beigetragen.
Im weiteren Schritt entwickelte sich der Free-Jazz. Völlig losgelöst
von allen bisher bestehenden Regeln wurden jegliche Beschränkungen
aufgehoben. Ohne jegliche Strukturen wurde eine neue Form der Improvisation
geschaffen. Auch heute noch ist der Free-Jazz eine sehr beliebte Stilrichtung.
Multikulturell wurde Jazz erst mit der Einführung
des Latin-Jazz. Durch die Einflüsse von Mambo, Bossa-Nova, Salsa
und Cha-Cha-Cha erhielt der bisherige Jazz ein bisher ungeahntes Feuer.
Die Beliebtheit des Jazz lässt sich auch heute
noch international spüren. Zahlreiche Jazz-Clubs und auch regelmäßig
stattfindende Jazz-Festivals zeugen davon. Ob Berlin, New York, Kopenhagen,
Dortmund, Paris, Chicago, London, Köln oder auch München
alle diese Städte
beherbergen die schönsten internationalen Jazz-Clubs.
Noch erlebnisreicher sind jedoch die zahlreichen Jazz-Festivals, die
in Europa, den USA und Kanada angesiedelt sind. Das Kopenhagen-Jazz-Festival
in Dänemark findet jedes Jahr für zehn Tage im Juli statt.
Über das ganze Stadtbild verteilt finden in zahlreichen Parks
und Clubs verschiedene Events statt.
In aller Regel wird für das Jazz-Festival in Kopenhagen
kein Eintritt genommen, so dass internationale Musiker als auch einheimische
Jazz-Musiker bewundert werden können. Auch in Irland findet jedes
Jahr im Oktober das Guinness-Jazz-Festival statt. Wie auch in Kopenhagen
sind nicht nur amerikanische Idole zugegen, sondern vielmehr auch
irische Musiker. Willisau in der Schweiz treffen sich im September
viele europäische Jazz-Musiker sowie die amerikanischen Vorbilder
Don Biren, Dave Leadman oder Joe Lovano. Ein Ausflug in die Schweiz
lohnt zu diesem Festival allemal. Hier stehen sich Europäer und
Amerikaner im direkten Musikgefecht gegenüber. Die Leverkusener
Jazztage schaffen im Spätherbst ein Event in Deutschland. Im
Juli findet in Valletta das Malta Jazzfestival statt. Mit drei Tagen
ist es relativ kurz gehalten, beinhaltet aber dennoch internationale
Stars der Jazz-Szene.
Das Jazzfestival in Moers ist eines der ältesten
in Deutschland. Bereits seit über 30 Jahren treffen sich hier
Weltstars aus verschiedenen Nationen. Als Höhepunkt konnten 2006
14 verschiedene Nationen ihr Können unter Beweis stellen. Das
Moers-Festival zeichnet sich vor allem durch seinen experimentellen
Charakter aus. Im Juli findet das Montreux-Jazzfestival in der Schweiz
statt. Hierbei handelt es sich um das älteste europäische
Jazzfestival.
In Europa finden weiterhin regelmäßig das
Northy-Jazzfestival in Rotterdam sowie das Umbria-Jazzfestival in
Italien statt. Eine weitaus größere Bedeutung haben sicherlich
die Jazzfestivals in den USA und Kanada. Aufgrund der hier liegenden
Wurzel, werden diese über Tage hinweg maßgeblich zelebriert.
Das Newport-Jazzfestival vereint die Stilrichtungen New-Orleans-Jazz,
Swing, Bebop und sogar einige Züge von Free-Jazz. Wohingegen
das Detroit-International-Jazzfestival als das größte Free-Jazzfestival
überhaupt gefeiert wird.
Es versteht sich von selbst, dass der Jazz für
die Stadt Chicago eine besondere Rolle spielt. Im Rahmen des jährlich
stattfindenden Chicago-Jazzfestivals wird noch einmal in die Zeit
zurückgeblickt. Die Zeit von 1920 - 1970 wird jedes Jahr aufs
Neue anschaulich aufgerollt und zur Schau gestellt. Weiterhin folgen
das Earshut-Jazzfestival in Seattle, das Alcard-Jazzfestival in Indiana,
das Guelph-Jazzfestival in Kanada, das Indi-Jazzfestival in Indiana,
das International-Festival-Musik-Aktuell in Victoriawill, das Monterrey-Jazzfestival
in Kalifornien, das New-Orleans-Jazz on Heritage-Festival sowie das
Blayboy-Jazzfestival in Hollywood statt.
Hinzu kommen das Portland-Jazzfestival in Oregon, das
San-Francisco-Jazzfestival und das Tellurite-Jazzzelebration in Colorado.
Neben den großen und stark besuchten internationalen Jazzfestivals
haben sich in Amerika kleine traditionelle Feste herausgebildet, die
vor allem für Insider ein guter Tip sind. Hierzu zählen
unter anderem das Colorado-River-Jazzfestival, das
Dixieland-Jazz by the Sea, das Sacramento-Jazzjubilee,
das Sant-Diego-Thanksgiving-Dixieland-Jazzfestival oder auch das Dixieland-Monteries-Jazzbash
by the Bay.
Im Zuge des Kapitels sind vor allem die Südstaaten
sowie Chicago und New York als die Metropolen des Jazz genannt worden.
Durch die rasche Verbreitung des Jazz haben sich international kleine
Hochburgen gebildet, die bis heute ihre Bedeutung nicht verloren haben.
In Deutschland ist vor allem Berlin Vorreiter. In erster Linie ist
die auf die multikulturelle Erscheinung der Stadt zurückzuführen.
Wer puren Jazz erleben möchte, kann z. B. in die Bebop-Bar in
das Haus der Kulturen der Welt oder ins Quasimodo gehen.
Als Wegbereiter des Jazz dürfen natürlich
auch in Chicago Jazzoriginale nicht fehlen. Im Cotton-Club, im Green
Dolphin Street oder im The Jazz Showcase stellen sich auch heute noch
international bekannte Künstler auf die Bühne.
Köln gilt ebenfalls als Hochburg des Jazz. Begründen
lässt sich dies durch die ansässige Musikhochschule, die
vor allem Jazz-Musiker hervorbringt. Im Metronom, in der Philharmonie,
im Subway oder im alten Pfandhaus kann Jamsessions beigewohnt werden.
London darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht
fehlen. Ebenso multikulturell wie Berlin, schafft London eine hervorragende
Plattform für die Jazzszene. In Clubs wie Jazz after Dark, Pizza
on the Park oder den 606-Club treffen sich regelmäßig Anhänger.
Miami ist Sinnbild für den Latin-Jazz. Schon aus
diesem Grund sind hier zahlreiche Bars und Jazz-Clubs angesiedelt.
Das Jazzy-Bistro, Upstears at the Vandyke oder auch der Raintue Caspar,
sind sehr beliebte Anlaufstellen für den Liebhaber des Latin-Jazz.
Nicht zu vergessen ist natürlich New Orleans, die
eigentliche Geburtsstätte des Jazz. Obgleich noch immer vom Hurrikan
gebeutelt, hat sie ihren Flair und auch ihren Stellenwert unter den
Jazzern in keiner Weise verloren. New Orleans ist die einzige Stadt,
die über Jazzclubs verfügt, die noch aus den Zeiten von
Lewis Armstrong stammen. Ebenso wie in New York siedeln sich ebenfalls
in Paris und San Francisco zahlreiche Clubs an. An der Fülle
der international zur Verfügung stehenden Jazzclubs wird ersichtlich,
wie groß die Jazzszene eigentlich ist.
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