Kirchenmusik
Musik und kultisches Handeln standen von Anfang an in
engem Bezug zueinander. Dies hat sich im laufe der Zeit geändert.
Kirchenmusik ist inzwischen nur noch ein Spezialgebiet der Musik.
Von Beginn waren Musik und Gottesdienst eng miteinander verwoben.
Bereits in den Anfängen der christlichen Kirche,
bei der sich die Jünger vermutlich täglich trafen spielte
Musik, entsprechend der Tradition des jüdischen Gottesdienstes,
wahrscheinlich eine große Rolle. Neben dem gesungenen Vortrag
von Lesungen und Gebeten und dem Gesang von Psalmen kannte der Tempelgottesdienst
auch den Gebrauch von Instrumenten. Direkte Überlieferungen über
den Einsatz von Musik der der jungen christlichen Kirche sind leider
nicht vorhanden. Nachdem die christliche Glaubensgemeinschaft zur
Staatsreligion aufgestiegen war zeigt diese sich zwar für von
außen zunehmende Einflüsse aufgeschlossen, lehnt jedoch
die damals sich entwickelnde Musik der Antike ab. Wo bei heidnischen
Opfern Musikinstrumente nicht fehlen durften, praktizierten die Christen
bald responsorische und antiphonische Gesänge. Während dieser
Änderung innerhalb der christlichen Kirche bildeten sich im 4.
und 5. Jahrhundert einzelne liturgisch-musikalische Zentren. Einer
dieser Zentren bildete sich in Jerusalem. Hier herrschte ein reiches
liturgisches Leben vor.
Ab dem 4. Jahrhundert nahm die Menge und Qualität
der Hymnen in der Kirchenmusik immer weiter zu. In dieser Zeit bildet
sich in der Kirchenmusik eine besondere Form, der Jubilus. Hierbei
handelt es sich um eine Melodie, die mit den letzten Silben der Halleluja
oder des Kyrie verbunden wird. Aus dem Jubilus bildeten sich die Tropen
im Mittelalter.
Durch die römische schola cantorum (Gesangsschule)
findet der Gregorianische Choral eine zunehmende Verbreitung. Seinen
Namen erhält der Gregorianische Choral aus einer Legende des
8./9. Jahrhunderts die auf den Papst Gregor der Große zurückgeht.
Vor ca. 1020 gab es so gut wie keine exakten Aufzeichnungen
über die einzelnen Gesänge. Dies sollte sich in Rom ändern.
Hier wurden seit ca. 1020 Ambrosianische, Mozarabische und Beneventinische
Gesänge in Neumenschrift auf Linien festgehalten.
Neben den Gregorianischen Chorälen verbreitete
sich die ostfränkische Weise des Chorals von Deutschland aus
nach Skandinavien und Osteuropa und blieb bis in das 19. Jahrhundert
die Deutschland die übliche Weise des Chorals. Er ist heute noch
bei der Sonntagsmesse in Kiedrich im Rheingau zu hören.
Leider sind nur wenige Kirchenlieder durch mittelalterliche
Aufzeichnungen belegt, denn der Volksgesang wurde in der Regel mündlich
überliefert.
Karl der Große, der damals eine Orgel aus Byzanz
erhielt, setzte diese als Kircheninstrument ein. Bald kam das Spielen
einer Melodie auf der Orgel formal dem gesungenen Wort gleich. Orgeln
fanden einen zunehmenden, wenn auch nur sehr vereinzelten Einsatz
in der Kirche. Andere Instrumente kamen zu dieser Zeit nicht weiter
zum Einsatz.
In der Folgezeit kam es zunehmend zu einer Trennung
von Liturgie und Musik. Bereits seit dem 9. Jahrhundert gab es die
ersten Ansätze zu mehrstimmigem Gesang. Eine weite Verbreitung
fand der polyphone Gesang jedoch erst um das 14. Jahrhundert von Paris
aus. Die sogenannte Modette verbreitete sich als eigenständige
Gattung, losgelöst vom Choral, relativ rasch und wurde auch in
weltlichen Bereichen eingesetzt. Die Kirche versuchte erfolglos diese
Entwicklung zu stoppen. Sie begründete dies mit der Desintegration
von Liturgie und Musik. Um 1921 wurde im Rationale divinorum officiorum
festgelegt, dass die Texte des Ordinariums, die gesungen werden, gleichzeitig
vom Klerus zu sprechen sind.
Nachdem die Trennung zwischen Liturgie und Musik in
der Kirche nicht vermieden werden konnte, achtete die Kirchenleitung
fortan darauf, dass die Kirchenmusik einen der Kirche angemessenen
Charakter behielt. Damit wurde gleichzeitig besiegelt, dass die Kirchenmusik
im Gegensatz zu Ihren Anfängen in der gesamten Musik eine nur
noch eher als untergeordnet zu bezeichnende Rolle einnimmt.
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